Neumarkt i.d.OPf. (Kreis)
Menü

Jubiläumsveranstaltung zum 40. Geburtstag in Neumarkt

11.11.2016

Die Referenten für die Fachvorträge

Die Landesverbände des WEISSEN RING in Bayern-Nord und Bayern-Süd veranstalteten gemeinsam einen Opfertag in Neumarkt/Opf. mit dem Thema "Umgang mit dem Opfer aus Sicht der Polizei, des WEISSEN RING, des ZBFS und der Justiz" anlässlich des 40-jährigen Bestehens.

Das 40-jährige Jubiläum des WEISSEN RING war Anlass, eine gemeine Veranstaltung durchzuführen. Der Landesvorsitzende von Bayern-Nord, Josef Wittmann, eröffnete die Tagung und begrüßte Vertreter aus allen Behörden, mit denen der WEISSE RING zusammenarbeitet, insbesondere aus dem Bereich der Polizei, der Justiz und der Versorgungsverwaltung, sowie die Außenstellenleiter/innen aus ganz Bayern.

Oberbürgermeister Thomas Thumann aus Neumarkt dankte in seinem Grußwort den ehrenamtlichen Opferhelfern für die vielen Ehrenamtsstunden, die aufgebracht werden, um Opfern eine Perspektive aufzuzeigen. Als Zeichen seiner Wertschätzung des WEISSEN RING, sagte er eine Spende zu.

Walter Jonas, Regierungspräsident der Oberpfalz sagte "40 Jahre WEISSER RING heißt 40 Jahre zuhören, 40 Jahre sich für die Rechte der Opfer einzusetzen und darum du kämpfen". Er stellte die besonderen Leistungen heraus, die den WEISSEN RING und seine Helfer auszeichnen.

Dr. Kollmer, Präsident vom Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS), gab einen Rückblick über die Entwicklung des OpferentschädigungsGesetzes (OEG), das ebenfalls 40 Jahre ist. Er freute sich, dass die Zusammenarbeit, in Kooperationsvereinbarungen mit dem WEISSEN RING und der Polizei in den einzelnen Regionen in Bayern besonders fundamentiert ist. Er beendete sein Grußwort mit einem Zitat von Ernst Ferstl "Das Schweigen der Opfer hört sich anders an, als das Schweigen der Täter".

Der Landesvorsitzende von Bayern-Süd, Franz J. Pabst, führte die Tagungsteilnehmer in das Thema des Opfertages ein, sprach über die Gründung des WEISSEN RING und zitierte niedergeschriebene Aussagen vom Ideengeber und Gründer des WEISSEN RING, Eduard Zimmermann. Es war damals schwierig, Menschen zu finden, die sich für Opfer einsetzen.

In verschiedenen Fachreferaten haben die einzelnen Behördenvertreter das Thema aus deren jeweiliger Sicht angesprochen.

Michael Liegl, Polizeivizepräsident der Oberpfalz stellte sein Referat unter das Thema "Der Umgang mit Opfern im Rahmen der polizeilichen Ermittlungsarbeit". Er gab zunächst einen Überblick über die Kriminalitätslage in Bayern anhand der Kriminalstatistik, die er in einer Präsentation vorstellte. Die Polizei habe keinen Ermessensspielraum. Wenn sie von einer Straftat Kenntnis erhält, muss sie entsprechende Ermittlungen führen und die Anzeige an die Staatsanwaltschaft leiten. Den Beamten der Polizei ist bewusst, dass dadurch die Opfer auch belastet werden können, z.B. bei einer Gegenüberstellung mit dem Täter, wenn dem Opfer Gegenstände weggenommen werden müssen, um kriminaltechnische Untersuchungen durchzuführen oder wenn diese als Beweismittel dienen. Hier können die Opferhelfer aufklärend tätig werden und Verständnis für die Maßnahmen wecken.

Dr. Helgard van Hüllen, stellvertretende Bundesvorsitzende des WEISSEN RING hob das Alleinstellungsmerkmal des WEISSEN RING hervor, wonach dieser als einziger Verein bundesweit für Opfer aller Deliktsarten Ansprechpartner ist und keine öffentlichen Mittel erhält. Anhand eines täglich vorkommenden Deliktes wurden die Hilfsmöglichkeiten des WEISSEN RING den Teilnehmern vorgestellt. Frau van Hüllen, Vizepräsidentin bei Victim Support Europe, die sich europaweit für Opferrechte einsetzt, betonte, dass Kriminalität nicht an den Landesgrenzen endet, sondern dass auch in solchen Fällen Regelungen erforderlich sind und teilweise bestehen.

Thomas Kerner, Regierungsdirektor vom ZBFS, erläuterte Sinn und Zweck des OpferentschädigungsGesetz. Er zeigte Grenzfälle auf und Delikte bei denen kein Anspruch auf Entschädigung besteht. Er schilderte den Ablauf der Bearbeitung in seinem Amt und auch die verschiedenen Arten der Hilfen und Voraussetzungen dazu.

Dr. Helmut Köhler, Vorsitzender Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth, referierte über das Thema "Justiz und Opfer - Umgang mit dem Opfer aus Sicht der Justiz". Im Fokus der Justiz stehe die Strafverfolgung und das Opfer ist hierbei "nur" Zeuge, aber mit bestimmten Rechten, die im Laufe der letzten Jahre verbessert wurden. Anhand eines Beispiels wurden Situationen erörtert, in die ein Opfer bei Gericht kommen kann und daraus Kritik an der Justiz durch Unkenntnis der Gründe aufkommen kann. Auch die für Opfer belastende Situation -Verteidiger des Täters gegenüber dem Opfer-, in die ein Opferzeuge kommen kann, wurde angesprochen.

Dr. Rainer Gemählich, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung "Opferhilfe Bayern", stellte die erst 4 Jahre alte Stiftung vor und erläuterte die Voraussetzungen, um finanzielle Hilfe zu bekommen. Sowohl im Stiftungsrat als auch im Zuwendungsausschuss ist jeweils ein Vertreter des WEISSEN RING eingebunden. Bisher seien 430 Anträge eingegangen und 1,2 Mio. € ausgezahlt worden.

Zum Abschluss fand eine Podiumsdiskussion mit den oben genannten Referenten statt, die durch Oliver Bendixen vom Bayer. Rundfunk geleitet wurde. Hierbei wurden verschiedene Probleme angesprochen, die noch unbefriedigend für Opfer sind.

In seinem Schlusswort dankte der Landesvorsitzende Josef Wittmann allen Referenten, den Organisatoren und Teilnehmern, die trotz winterlichen Wetters so zahlreich erschienen.

Roland Holzmann,
stv. Landesvorsitzender